Kurzfassung
- Google schätzt für unsere Kampagne rund 3,10 Euro pro Klick, etwa 27 Klicks pro Woche.
- Ads kaufen Sichtbarkeit ab Tag eins und enden mit dem Budget. SEO wirkt erst nach Monaten, trägt dafür ohne Klickkosten weiter.
- Der Einrichtungsassistent legte ungefragt eine Performance-Max-Kampagne und zwei fremde Conversions an.
- Der Google-Tag las ohne Gegenmaßnahme Inhalte aus dem Kontaktformular aus und sendete sie an Google.
- Der Parameter allow_enhanced_conversions auf false reicht dagegen nicht.
Wir haben für die eigene Agentur eine Google-Ads-Kampagne aufgesetzt. Nicht als Experiment, sondern weil wir in Vorarlberg mehr Anfragen wollen, und weil wir wissen wollten, wie sich das aus Kundensicht anfühlt, bevor wir es jemandem empfehlen.
Was dabei herausgekommen ist, steht unten. Ergebniszahlen sind noch nicht dabei, die Kampagne ist zu frisch. Was schon jetzt feststeht, sind die Kosten, die Voreinstellungen und ein Fund, mit dem wir nicht gerechnet hatten.
Was kostet ein Klick tatsächlich?
Für unsere Kampagne auf Webdesign-Suchbegriffe in Vorarlberg schätzt Google rund 3,10 Euro pro Klick. Bei einem Tagesbudget von 13 Euro sind das etwa 27 Klicks pro Woche.
Diese Zahl gilt für dieses Thema und diese Region. In stärker umkämpften Branchen liegt sie ein Vielfaches höher, in Nischen deutlich darunter. Wer eine Hausnummer für den eigenen Betrieb sucht, bekommt sie im Keyword-Planer von Google kostenlos, ohne eine einzige Anzeige zu schalten.
Die wichtigere Rechnung ist ohnehin eine andere: Wie viele Klicks braucht es bis zu einer Anfrage, und wie viele Anfragen bis zu einem Auftrag? Bei 27 Klicks pro Woche und einer Anfragequote von drei Prozent ist das nicht einmal eine Anfrage pro Woche. Wer das vorher nicht durchrechnet, wundert sich nach vier Wochen über ein leeres Postfach und ein volles Budget.
Ads oder lieber SEO?
Die beiden lösen unterschiedliche Probleme. Google Ads liefert Sichtbarkeit ab dem ersten Tag und hört auf, sobald das Budget aufgebraucht ist. SEO braucht Monate und bleibt danach ohne laufende Klickkosten bestehen.
Ehrlich gesagt: Mit sehr kleinem Budget beides gleichzeitig zu versuchen, endet meist damit, dass keines von beiden funktioniert. Wer sofort Anfragen braucht, nimmt Ads und akzeptiert, dass es laufend Geld kostet. Wer eine Position aufbauen will, die auch in zwei Jahren noch trägt, investiert in Inhalte und Technik. Wie das bei uns selbst aussah, steht im Beitrag Wie wir unsere eigene Website optimiert haben.
Was legt der Einrichtungsassistent ungefragt an?
Mehr, als man denkt. Nach dem Durchklicken der Einrichtung fanden wir in unserem Konto eine Performance-Max-Kampagne, eine zusätzliche Conversion-Aktion aus Google Analytics und eine Conversion namens "Book appointment", die zu unserer Website nicht passt. Bewusst angelegt hatten wir nichts davon.
Performance Max verteilt das Budget selbständig über Suche, YouTube, Gmail und das Displaynetzwerk. Für ein neues Konto ohne Daten ist das die schlechteste aller Startpositionen, weil man hinterher nicht sagen kann, was gewirkt hat. Wir haben die Kampagne gelöscht und mit einer reinen Suchkampagne begonnen, in der jedes Suchwort sichtbar bleibt.
Die doppelten Conversions sind das leisere Problem. Wenn zwei Aktionen dasselbe Ereignis zählen, meldet das Konto doppelt so viele Erfolge, wie es gibt, und die Gebotsautomatik optimiert auf eine Zahl, die es nicht gibt. Ein Blick in die Kampagnen- und Conversion-Übersicht direkt nach der Einrichtung kostet fünf Minuten.
Was der Google-Tag ungefragt aus Ihrem Kontaktformular liest
Das ist der Fund, mit dem wir nicht gerechnet hatten. Beim ersten Live-Test zeigte der Tag Assistant neben unseren drei Conversions vier Mal "User provided data" sowie die Ereignisse Form Submit und gtm.formInteract.
Dahinter steckt Googles automatische Erfassung von Formularinteraktionen. Das Tag liest aus, was jemand in ein Formular auf der Seite tippt, und sendet es an google.com/pagead/form-data. In unserem Fall war das die E-Mail-Adresse der Person, die gerade eine Anfrage schreibt.
Niemand hat das eingeschaltet. Es ist die Voreinstellung.
Das ist aus unserer Sicht ein Problem, unabhängig davon, wie man es rechtlich bewertet: Wer auf einer Website ein Kontaktformular ausfüllt, willigt in eine Kontaktaufnahme durch den Websitebetreiber ein. Nicht darin, dass seine Adresse nebenbei bei einem Werbekonzern landet. Ein Einwilligungsbanner, das von Marketing-Cookies spricht, deckt das nicht ab. Wir sind keine Rechtsberatung, aber wir mussten hier nicht lange abwägen.
Warum ein Parameter dagegen nicht reicht
Naheliegend wäre, im Tag allow_enhanced_conversions: false zu setzen. Das haben wir zuerst versucht, und es reicht nicht.
Der Parameter verhindert nur, dass die Conversion mit Nutzerdaten angereichert wird. Die automatische Erfassung der Formularfelder lief im Browsertest unverändert weiter, und die Übertragung an google.com fand weiter statt. Wirksam waren erst zwei Schalter in den Einstellungen des Google-Tags: die Erfassung nutzerseitig bereitgestellter Daten und die automatische Ereigniserkennung für Formularinteraktionen.
Weil beides an einem Häkchen in einer Kontooberfläche hängt, das jemand versehentlich wieder setzen kann, haben wir einen dritten Riegel eingezogen. Unsere Content Security Policy führt google.com bewusst nicht in connect-src. Selbst wenn die Einstellung zurückspringt, kommt der Aufruf nicht durch.
| Maßnahme | Wirkung |
|---|---|
allow_enhanced_conversions: false im Tag |
Verhindert nur das Anreichern der Conversion. Erfassung läuft weiter. |
| Nutzerseitig bereitgestellte Daten im Google-Tag abschalten | Stoppt die Erfassung. Hängt an einer Kontoeinstellung. |
| Automatische Ereigniserkennung für Formulare abschalten | Stoppt Form Submit und gtm.formInteract. Conversion feuert stattdessen der eigene Code. |
google.com nicht in connect-src der CSP |
Blockiert die Übertragung auch dann, wenn eine Einstellung zurückspringt. |
Diese Strenge hat einen Preis, und wir nennen ihn lieber selbst: Googles Ersatzweg für Conversions über google.com entfällt damit ebenfalls. In Browsern, die den Hauptweg blockieren, werden dadurch möglicherweise ein paar Conversions nicht gezählt. Wir nehmen das in Kauf, weil eine Zusage, die an einem Häkchen hängt, keine Zusage ist.
Wie Sie das an Ihrer eigenen Seite prüfen
Das dauert wenige Minuten und braucht kein Werkzeug außer dem Browser. Öffnen Sie Ihre Seite, drücken Sie F12, wechseln Sie auf den Reiter Netzwerk und tippen Sie form-data in den Filter. Dann füllen Sie Ihr eigenes Kontaktformular aus.
Erscheint dort ein Aufruf an google.com/pagead/form-data, verlassen die Eingaben Ihres Formulars Ihre Website. Wenn die Liste leer bleibt, ist an dieser Stelle alles in Ordnung.
Einwilligung zuerst, sonst gar nicht
Unser Tracking startet erst, wenn jemand aktiv zustimmt. Ohne Einwilligung wird kein Tag geladen, keine Conversion gemeldet und nichts gespeichert. Der Widerruf liegt in der Datenschutzerklärung und wirkt sofort.
Das kostet Messgenauigkeit, weil ein Teil der Besucher nicht zustimmt. Dafür müssen wir niemandem erklären, warum ein Tag mitliest, den niemand bestellt hat.
Was wir noch nicht wissen
Ob sich die Kampagne rechnet. Sie läuft erst an, und belastbare Zahlen zu Klickpreisen, Anfragen und Kosten pro Anfrage gibt es frühestens nach einigen Wochen. Wir tragen sie hier nach, statt jetzt Ergebnisse zu behaupten, die wir noch nicht gemessen haben.
Was heute schon gilt: Ein Konto einzurichten dauert eine Stunde. Es so einzurichten, dass es misst, was Sie glauben, und nur das sendet, was Sie wollen, dauert länger.
Wenn Sie das nicht selbst machen möchten oder eine zweite Meinung zu einem bestehenden Konto brauchen, klären wir das im kostenlosen Erstgespräch.
Wir sind keine Rechtsberatung. Die Beobachtungen zum Google-Tag stammen aus Browsertests in unserem eigenen Konto. Stand: 31. August 2026. Voreinstellungen bei Google ändern sich, deshalb lohnt der Selbstcheck oben unabhängig davon, was hier steht.