Fast jede Website in Österreich zeigt heute einen Cookie-Hinweis. Die Frage ist, ob er etwas bewirkt. Wir haben das nachgemessen, an 140 Vorarlberger Websites, und das Ergebnis fällt je nach Gruppe sehr unterschiedlich aus.
Bei den gewerblichen Seiten, also Onlineshops und Hotels, startet bei rund der Hälfte mindestens ein Dienst, der eigentlich eine Einwilligung voraussetzt, bevor der Besucher den Hinweis überhaupt angeklickt hat. Bei den Gemeinden sind es 8 Prozent.
Wie gemessen wurde
Der Aufbau ist bewusst einfach, damit ihn jeder nachvollziehen kann. Jede Seite wurde in einem echten Browser aufgerufen. Der Cookie-Hinweis wurde nicht angeklickt, weder zugestimmt noch abgelehnt. Alle ausgehenden Anfragen wurden mitgeschrieben. Alles, was in diesem Zustand bereits lädt, geschieht ohne Zustimmung.
Gewertet wurden nur Dienste, die üblicherweise eine Einwilligung voraussetzen: Google Analytics, Google Ads, das Meta-Pixel, Google Fonts von Google-Servern, YouTube ohne die cookiefreie Variante, LinkedIn, TikTok, Hotjar und Microsoft Clarity. Nicht gewertet wurden Tag Manager, Kartendienste, Spamschutz und selbst betriebene Statistik.
Die Auswahl kam aus öffentlichen Verzeichnissen: die amtliche Gemeindeliste des Landes, das Onlineshop-Verzeichnis von vorarlberg.travel, dazu größere Vorarlberger Anbieter mit Endkundenverkauf und Hotels mit eigener Website.
Das Ergebnis
| Gruppe | geprüft | lädt vor der Einwilligung |
|---|---|---|
| Gemeinden | 96 | 8 Prozent |
| Onlineshops | 31 | 48 Prozent |
| Hotels | 12 | 50 Prozent |
| gewerblich gesamt | 43 | 49 Prozent |
Am häufigsten waren Google Fonts, die direkt von Google-Servern geladen werden, gefolgt von Google Analytics, Google Ads und dem Meta-Pixel. In einem Fall zeichnete ein Werkzeug ganze Sitzungen samt Mausbewegungen auf, bevor jemand zugestimmt hatte.
Was das praktisch bedeutet
Ein Besucher öffnet eine Seite. Bevor er irgendetwas entscheiden kann, wissen mehrere Unternehmen, meist in den Vereinigten Staaten, dass er da war. Bei einem Hotel heißt das: wer sich Zimmer ansieht, ist bereits gemeldet. Bei einem Shop: wer ein Produkt aufruft, ebenso.
Das passiert in aller Regel nicht mit Absicht. Der häufigste Fall ist ein korrekt installierter Cookie-Hinweis, hinter dem die Skripte trotzdem sofort starten, weil sie nicht an die Einwilligung gekoppelt wurden. Das sieht man der Seite von außen nicht an, und im Alltag fällt es niemandem auf.
Warum die Gemeinden besser dastehen
Für öffentliche Stellen gilt das Web-Zugänglichkeits-Gesetz bereits seit 2019 beziehungsweise 2020. Es gab mehrere Jahre Zeit und offenbar spezialisierte Dienstleister. 86 der 96 Gemeinden verlinken zusätzlich eine Barrierefreiheitserklärung. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Frist, die lange genug zurückliegt.
Was wir ausdrücklich nicht sagen
Wir behaupten nicht, dass die betroffenen Betriebe gegen das Gesetz verstoßen. Das ist eine technische Messung. Ob im Einzelfall ein Verstoß vorliegt, hängt von der Ausgestaltung und der Rechtsgrundlage ab und ist von einem Rechtsbeistand zu beurteilen.
Wir nennen auch keine Namen. Die Erhebung ist ausschließlich aggregiert veröffentlicht. Es geht um ein Muster, nicht darum, einzelne Betriebe vorzuführen.
Und wir sind mit den Zahlen vorsichtig: 31 Shops und 12 Hotels sind kleine Stichproben. Die Größenordnung ist belastbar, die zweite Nachkommastelle nicht. Bei Google Fonts ist die Rechtslage in Österreich zudem weniger eindeutig als in Deutschland.
Was ein Betrieb tun kann
Die häufigsten Fälle sind schnell behoben:
- Google Fonts: Schriftdateien herunterladen und vom eigenen Server ausliefern. Meist unter einer Stunde.
- YouTube-Videos: auf die cookiefreie Variante umstellen oder erst nach einem Klick laden. Ebenfalls unter einer Stunde.
- Analytics und Werbe-Tags: hinter die Einwilligung legen. Je nach Aufbau ein bis zwei Stunden.
Wer wissen will, wie die eigene Seite dasteht, kann sie selbst im Browser prüfen: Seite öffnen, F12 drücken, Reiter Netzwerk wählen, Seite neu laden. Oder unseren kostenlosen Selbsttest verwenden, der genau diese Messung automatisch durchführt und das Ergebnis im Klartext erklärt.
Warum wir das gemacht haben
Ehrlich gesagt, weil wir wissen wollten, ob es sich lohnt, dafür ein Angebot aufzubauen. Wir haben zuerst gemessen und dann entschieden, nicht umgekehrt. Zwei Annahmen, mit denen wir gestartet sind, haben die Messung nicht überlebt. Das Ergebnis steht so, wie es herausgekommen ist.